Wir Frauen brauche mehr starke weibliche Vorbilder, warum ich euch Gisela vorstellen möchte und ihr Leben im Wohnmobil.

Ich durfte auf meinen Reisen eine sehr Inspirierende Frau kennenlernen.

Gisela Homberg bereist mit 75 Jahren die Welt und führt ein Leben im Wohnmobil. Mit 67 Jahren änderte sie nach mehreren OPs ihr Leben radikal, stellte ihre Ernährung um, verkaufte ihr Haus und legte sich ein Wohnmobil zu.

Hier könnt ihr den Podcast dreckt anhören:

Oder Über Youtube

Du findest ihn aber auch auf Spotify oder  iTunes

Lebenszeichen von Gisela

Das neuste interview von Gisela, ist vom 14.08.2023 und es soll ihr gut gehen!

Wer mehr erfahren mag, kann sich den Artikel durchlesen, aber leider ist er hinter einer Bezahlschranke

Giesela Homberg  und ihr Leben im Wohnmobil

Karin: Liebe Gisela, wir haben uns heute hier auf der Reise kennengelernt. Ich freue mich sehr, dass du da bist! Erzähl doch gerne mal ein bisschen was über dich. 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ja, wir sind heute begegnet, ich habe deinen Bus gesehen. Ich stehe hier in Tarifa und natürlich fällt es auf, wenn ein Bus die Außenwände wie eine Schultafel hat und alles ganz ganz liebevoll bemalt und beschrieben ist. Daraufhin habe ich dann hingehorcht und festgestellt, dass Deutsch gesprochen wird und somit sind wir uns dann begegnet und ins Gespräch gekommen. So entsteht das jetzt, dass ich gerade hier bei dir sitze.

Und darüber freue ich mich wahnsinnig, wirklich wahnsinnig doll, weil wer unsere Community kennt und vor allen Dingen auch bei uns in der Gruppe ist, da bist du ja doch tatsächlich schon fast sagen eine Ikone! Du bist sehr oft im Gespräch einfach, weil du super inspirierend bist. Mit deinen 78 Jahren fährst du schon ganz lange, zehn Jahre, mit deinem Bus umher und vielleicht magst du kurz erzählen, wie es dazu gekommen ist. 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ich war schon mit 58 sehr sehr schwer krank und konnte mich nicht selbst versorgen. Ich hatte mit 28 eine beginnende Immunerkrankung, die die Gelenkkapseln im Körper zerstörte, sodass ich dann mit 58 nichts mehr machen konnte und künstliche Fingergelenke haben musste. Der Rücken sollte operiert werden und ich habe alles abgelehnt.

Aber die Fingergelenke wollte ich operieren, weil ich mich selber wieder versorgen wollte. Durch die Herzinfarkte und Hörstürze hatte ich ganz schwere Medikamente. Dann habe ich meinem Arzt gesagt: ich habe meiner Mutter 14 Jahre gepflegt, ich kannte Pflegeheime, ich war wochenlang in Kliniken. Das ist genau das, was ich nicht will! Ich lasse alle Medikamente weg.

Und dann sagte er, das geht nicht von heute auf morgen, Frau Homberg, aber wenn Sie wollen, begleite ich Sie. Aus diesem Begleiten sind fünf Jahre geworden, in denen ich die Medikamente ausgeschlichen hab und öfter fast gestorben wäre, sodass mich der Arzt, der fast jeden Morgen kam, bewusstlos fand und dann sagte: “Warum haben Sie nicht angerufen?” Nein, ich rufe nicht an, ich sterbe dann eben. Ich bin nicht gestorben.

Nach diesen fünf Jahren habe ich geistig und körperlich gearbeitet, um auf eine andere Ebene zu kommen als ich war, weil wenn ich nicht gestorben bin, dann musste es ja noch etwas geben! Und da ich extrem neugierig bin, wollte ich wissen, was das war.

Und dann war es so: Ich war am 1.1. 68 geworden und ich war soweit wieder fit, dass ich mich selbst versorgen konnte. Ich konnte wieder schreiben, was ich Jahre nicht konnte. Ich konnte wieder Auto fahren, was ich auch Jahre nicht konnte und dann habe ich gedacht, jetzt mache ich etwas, was ich nie in meinem Leben machen konnte.

Ich habe eine sehr große Familie mit zehn Geschwistern, fünf Brüdern und fünf Schwestern. Ich habe meine Tochter fast allein großgezogen, meine Enkel auch gehabt. Es war einfach nur ein wundervolles Leben. Auch mit dem Pflegefällen meiner Mutter und allen Freunden, die ich dann noch hatte.

Jetzt hatte ich ein neues Leben und das andere war für mich, nach meiner Art und Weise, gut abgewickelt, erledigt, ausgelebt.

Dann sagte eine Freundin zu mir, die so alt ist wie meine Tochter, die Birgit, die sagte dann: Du hast im Leben nie nie reisen können und bist schon als Kind am liebsten mit den Zigeunern oder mit den Zirkusleuten mitgefahren. Wieso machst du das jetzt nicht? Es ist doch gerade Messe in Düsseldorf.

Daraufhin bin ich dann zu dieser Messe gefahren. Drei Tage bin ich dort gewesen. Ich habe auch Bekannte dort, die sowohl Autos verkaufen, als auch selber fahren und die haben mich dann auch beraten. Dann habe ich mir ein Auto ausgesucht. Es war am Freitag und am Sonntag habe ich einen Vorverkaufsvertrag gemacht, am 3.9 2009, dass ich das Auto so und so und so und so, mit allem, wie ich es mir vorstellte und was mir so empfohlen wurde von denen, die sich auskannten, haben wollte.

Ich wusste nicht, wie viel ich für meinen Hausanteil bekomme. Ich wusste weiter nichts, aber dass ich haben wollte – und auch in Blau! Das war natürlich auch klar. Ich wollte kein Auto haben, dass irgendwo, wenn ich in der Natur stehe, auffällt, sondern eher aussieht wie ein Werkstattwagen.

Dann bin ich die nächsten Schritte angegangen und habe dann eben innerhalb von fünf Monaten, das heißt bis Ende des Monats war ja der Vorverkaufsvertrag. Ich habe dann meinen Hausanteil an meinen Neffen verkauft. Das Geld reichte dafür und mein ältester Enkel, der mich von der Straße besucht hatte, der war auch noch gekommen. Dann hatte er auch eine eigene Wohnung und konnte ausziehen und ich mich darauf konzentrieren, alles was ich in 40 Jahren angesammelt hatte, zu verschenken, sodass das was einer 4-Zimmer-Wohnung war, dann auf einen Tapeziertisch passte und in mein Auto kam. Das war am 28.4.2010.

Wow! Ich könnte dir stundenlang zuhören, weil ich das unglaublich spannend finde. Du hast einfach schon so viele Lebensjahre und du hast doch so wahnsinnig viel erlebt, das ist total irre! Und es ist wahnsinnig toll, dass du diese Krankheit überstanden hast! 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Die ist ja da, aber ich bin gesund, weil ich so lebe wie ich lebe.

Großartig! 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ich turne morgens und abends, jeweils eine halbe Stunde. Ich gehe kilometerlang spazieren, wenn es irgendwo möglich ist. Ich ernähre mich mit den Jahreszeiten und mit dem, was es in dem Land, wo ich bin, gibt. Und dadurch kann ich mich gesund halten.

Wow! Ganz großartig! Du fährst noch dein erstes Auto?

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ja, das ist das erste Auto. Wenn es kaputt ist, kann ich es irgendwo hinstellen und mir einen hübschen Platz aussuchen, wo ich dann Strom und Wasser kriege und da dann bleiben, bis ich dann wirklich nicht mehr atme. Was anderes käme für mich, mit meinem Gedankengut, nicht mehr in Frage.

Das kann ich total nachvollziehen. Nach so vielen Klinikaufenthalten. Ich glaube, das ist das letzte, was man dann möchte. Aber schön! Also eine schöne, ganz klare Entscheidung?

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ja.

Das finde ich total super. Darf ich dich fragen, was du in deinem Bus so drin hast? Du fährst ihn ja jetzt seit zehn Jahren. Normalerweise ist es bei den Vanlifern, sage ich jetzt mal schon so, dass man nach einer gewissen Zeit irgendwie feststellt, oh da fehlen jetzt Sachen, ich hätte jetzt noch gerne das und schon kommt das nächste Auto! Du fährst einfach seit, jetzt bald, ziemlich genau zehn Jahren, dein Auto.

Ja, am 28.3. fängt mein 11. Jahr an und für mich gibt es auch nichts anderes. Ich pflege es sehr und die lasse es jedes halbe Jahr von der Werkstatt durchschauen, wenn ich von Marokko komme. Das heißt im Frühjahr März, April. Und wenn ich im September, Oktober wieder die südliche Reise plane, noch einmal. Insofern wird es auch so bleiben.

Drin bleiben? Nein! Ich kann höchstens immer noch etwas verschenken, für Leute die nicht genug haben, weil ich manchmal feststelle, dass ich das, was ich in den Schränken habe, zwei Jahre nicht angezogen hatte oder nicht gebraucht hatte oder so. Ich habe zu viel Besteck gehabt, ich habe zu viel Geschirr gehabt und dann auch die T-Shirts! Ich brauche keine zehn Hosen und so weiter.

Das lasse ich dann dort, bei Menschen, die es brauchen können. Wo ich sehe, es ist gut angebracht. Voriges Jahr z.B. auf dem Camping in Marokko, habe ich dem, der da auf dem Camping “Mädchen für alles” ist oder “Mann für alles” ist, fünf Tüten Leinenbeutel gegeben. Für seine fünf Kinder und da waren auch viele Sachen, wo ich dachte: willst du das wirklich geben? Ja, ich wollte es geben. Ich hatte es ja zwei Jahre nicht gebraucht. Dann werde ich es jetzt auch nicht mehr brauchen.

Sehr schön! Sehr schön! Du hast, also ich habe es noch nicht angeschaut, aber du hast wahrscheinlich einen Küchenblock bei dir drin? Ein Bett? Ich habe es von draußen kurz gesehen. Hast du eine Dusche im Bus? 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ja, im Bus ist eine Dusche, die ich aber nicht benutze. Weil, wenn ich mich von Kopf bis Fuß morgens und abends nackt wasche, ist das mit dem kalt waschen sehr gut, obwohl ich heißes Wasser machen kann. Ich muss ja auch rechnen, wie viel Gas ich verbrauche. Und auch wissen, wo ich es wieder erneuern kann. In den Ländern, wo ich bisher war, musste ich mich ja auch informieren.

Ich fahre so, dass es immer reicht. Egal, in welchen Ländern ich bin. Im Sommer irgendwo in Europa. Duschen gehe ich dann, wenn ich Schwimmbäder anfahre oder eine Sauna anfahre oder an Sportplätzen. Ich stehe auch gerne an Friedhöfen. Da ist es so gemütlich, jeder lässt mich stehen. Aber Duschen sind da keine.

Die braucht man da tatsächlich nicht! Schön! Ja, also geht’s auch tatsächlich so. Es geht nicht immer darum, mehr, größer, schneller, weiter, sondern man kann genau, auch mit dem was man hat, einfach total zufrieden sein und lebt auch dann, das finde ich total spannend, total in der Fülle.

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Das ist es auf jeden Fall. Ich bin anspruchsvoll. Ich brauche von allem das Beste, aber es reicht mir sehr wenig. Und wenn das dann die Qualität hat, ist das mehr als ausreichend für die Seele, für den Geist, für den Körper. Und wenn ich meine Bücher und Musik habe und tanzen kann und die Sonne spüre.

Ich sag immer morgens:

Der Darm ist leer,

der Tank ist voll,

die Sonne scheint,

was will ich mehr?

Absolut! Und die Sonne ist für mich auch absolut wichtiges Element in meinem Leben. Ein Grund, warum ich im Winter nicht mehr in Deutschland bin. Ja, da würde es mir auch nicht so gut gehen, wieder monatelang in Dunkelheit. Du machst das schon genau richtig! Auf jeden Fall! 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ja, ich fühle mich so, wie ich es jetzt mache, sehr wohl. 

Und darum geht’s. Genau darum geht’s. Tatsächlich ist es so, dass ich im Podcast immer Fragen stelle und wie wir es jetzt vorher noch kurz besprochen haben, hast du tatsächlich auch schon eine oder zwei beantwortet. Einfach so. Die würde ich jetzt tatsächlich überspringen. Für mich ist ein ganz wichtiges Thema. Gerade für die Mädels, die zuhören. Es hören sicherlich auch Männer zu, aber für die Mädels ist das Thema Sicherheit auf Reisen. Ich hatte mich vorhin schon mit dir da drüber unterhalten und finde deinen Ansatz dahinter wahnsinnig spannend. Genau. Das ist sozusagen Frage Nummer fünf! Wir haben direkt vier übersprungen. Strategien für die eigene Sicherheit. Wie machst du das?

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Im Grunde ist es ganz einfach. Ich fahre mit den WoMo-Führern und fühle mich damit sehr gut. Es stehen auch sehr viele freie Plätze da. Auch sehr viel Interessantes, was ich mir anschauen möchte.

Und wenn ich dann auf den Platz komme und ich gehe rundherum und es sind irgendwo Menschen, die mich verstehen oder auch nicht, dann stelle ich mich trotzdem vor und stehe dann da. Wenn ich das Gefühl habe, es sind Menschen, die damit etwas zu tun haben, mit diesem Platz, zeige ich ihnen dann mit den Händen und Kopf, dass ich sehr müde bin und gerne eine Nacht stehen möchte, weil ich nicht weiterfahren will.

Ich habe noch nirgendwo irgendwie ein Problem gehabt und wenn ich mich irgendwo unsicher fühle, fahre grundsätzlich weiter. In Ländern, wo es ziemlich suspekt ist, allein zu stehen z.B. im großen Städten und so weiter, da mache ich einen riesen Bogen drum. Da stehe ich nie!

Auch meine Strategie!

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Denn die die interessantesten Menschen treffe ich ländlich. Egal, in welchem Land. Oder ich gehe in ein Restaurant und esse ausnahmsweise was oder ich trinke ein Glas Wein abends und frage, ob ich da über Nacht stehen kann und ich habe immer nur, egal, in welchem dieser 25 Länder, in denen ich bisher war, nette Menschen gehabt.

Ich hatte sogar eine Begegnung Deutschland. Da habe ich einen Mann, der so Wanderzeug anhatte und so aussah, als wenn er dort in die Gegend gehört, gefragt, ob es wohl ein Problem gäbe, abends da auf dem Parkplatz zu stehen. Denn ich wollte ein russisches Konzert anhören, die letzte Aufführung vor dem nächsten Tag. Das Ticket hätte 75 Euro gekostet, aber von außen konnte man hören. Und da wollte ich diese letzte Probe anhören.

Dann hat er gesagt, das ist gar kein Problem, wenn du stehst, aber ich mache dir da vorne mal das Tor auf, zu der Wiese und da ist auch ein Bach. Da kannst du auch über Nacht stehen und morgen einfach rausfahren und das Tor zu machen. Ich sage: Geht das? Dann sagte er: Das hier ist sowieso alles meins! Und so kann man natürlich auch in Kontakt kommen, wenn man jemand fragt, der gerade vorbeikommt.

Absolut! Das ist eine spannende Herangehensweise! Also ich meide tatsächlich eher sowas. Ich versuche mich immer sehr sehr unauffällig zu verhalten. Das ist jetzt mit meinem Bus, wie ich ihn jetzt stehen habe, relativ schwierig. Ich hatte ja vorher einen T4, da war’s ein bisschen einfacher, weil das als Alltagsauto durchgeht. Aber das finde ich ziemlich spannend! Klar, wenn man mit den Leuten, also das ist ja quasi fast so wie eine Einladung? 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ja. Wenn ich mich vorstelle, ich gehe auf die Leute zu und meine Erfahrung ist, wenn mich jemand anspricht oder wenn mich jemand noch dabei anfasst oder die Hand gibt z.B., von den Menschen ist keine Aggression zu erwarten, sondern eher gute Gefühle. Und insofern ist das Thema Sicherheit für mich so: Sicherheit kann ich nur in mir selber und im Universum finden. Und alles andere, ja gut, im Sarg bist du natürlich auch sicher, aber soweit bin ich noch nicht ganz.

Aber ansonsten ist Leben und Sicherheit ist zweierlei und sind nicht kompatibel. Du musst das Leben angehen und die innere Sicherheit dazu haben und dich dann danach richten, welche Gefühle, Empfindungen und was alles bei dir ist und dann bist du in deiner eigenen Sicherheit.

Ich war z.B. in Ruhe am Starnberger See in Bernried am See und am Sonntagmorgen kommt eine Frau aus der Kirche spricht mich an und sagt: Entschuldigung, dass ich Sie anspreche.

Ich sage: Kein Problem. Ich bin Gisela und ich duze. Das kommt in Deutschland nicht so gut! Okay, aber sie ging darauf ein.

Dann sagt sie: Standest du nicht auch schon gestern Abend hier? Hast du etwa hier übernachtet?

Ja sage ich. Wieso?

Hast du keine Angst?

Entschuldige bitte, dass ich dich das frage, aber kommst du nicht gerade aus der Kirche? Ja.

Ich sage: Wenn du mich gestern gesehen hast, warst du auch zur Abendandacht?

Ja.

Ich sage: Was glaubst du denn, wo euer Gott ist? Entweder bin ich überall behütet und beschützt oder nirgendwo!

Fantastisch! Ja, das stimmt, das stimmt! Ja, es laufen wirklich sehr sehr viele Menschen mit sehr sehr vielen Ängsten rum. Gerade Mädels, die jetzt auch gerade damit anfangen, beschäftigt das natürlich total doll und du hattest mir oder wir hatten uns vorhin darüber unterhalten. Wenn man sich selber, auch gefühlt, in der Opferrolle befindet und so auch in die Welt raus geht, so passiert das. Also dann wird man halt auch einfach ein Opfer. Und du hast gesagt, du gehst einfach auf Menschen zu, gibst dann auch die Hand und damit zeigst du ja eine wahnsinnige Präsenz. Und dann nimmst du das sozusagen schon vorweg, dass dir eigentlich was passieren kann und viele Dinge passieren leider einfach nur im Kopf. 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ich sag immer: Alles was du dir ausdenkst, wird zu 99,9 Prozent nicht eintreten. Wenn du  irgendwo ein Problem hast, dann frag doch mal nach, ob das nicht ein Obst-Problem ist. Ach, du weißt nicht, was ich meine? Das hängt voll in deiner Birne!

Sehr schön, ja, absolut! Was würdest du jemandem raten, der zum ersten Mal losfährt? Also bist du denn gleich losgefahren ins Ausland? Oder hast du dich erstmal vorsichtig herangetastet? Ich könnte mir vorstellen, du bist direkt losgefahren!

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Also nicht schon sofort, sondern erst einmal bin ich, da ich diese Größe vom Auto ja überhaupt nicht kannte, aber überhaupt gar nicht! Diese Ausmaße! Und ich mich erst zurechtfinden musste, um mir nicht permanent irgendwo blaue Flecken zu stoßen. Und erst eine Abwicklung zu machen, damit ich nicht alles irgendwie wieder umstoße und runterschubse.

Deshalb habe ich erst einmal ein Fahrsicherheitstraining gemacht mit dem Auto, über drei Tage in Koblenz für Wohnmobile. Das kann ich jedem empfehlen, der so ein Fahrzeug nicht hat. Und danach bin ich dann in Deutschland gefahren, habe meine ganzen Geschwister, Familienmitglieder und alles besucht, was bei mir natürlich sehr reichlich ist, bei fünf Brüdern und fünf Schwestern und Nichten und Neffen und mich verabschiedet.

Ich hatte immer den Gedanken: Ich stand auf dem Parkplatz, hatte die Sachen vom Tapeziertisch drin. Zwei meiner Schwestern, Sigrid und Puti haben mich dabei tatkräftig unterstützt. Und als das dann fertig war, habe ich gedacht: Okay, wenn ich jetzt einen Infarkt kriege, ist doch super! Es spielt keine Rolle. Ich habe es auf jeden Fall umgesetzt und nich vor mir hergeschoben. Und nicht diesen Kladderadatsch im Alltag weitergemacht. Es ging um die Umsetzung.

Manchmal weiß ich nicht, was ich will oder was ich machen möchte. Aber ich weiß eins: Was ich nicht mehr will und das muss ich erst weg lassen, damit Platz ist für Neues.

Absolut! Ich kann das nur bejahen. Sehr sehr schön gesagt! Und vor allen Dingen, es ist auch sehr schön, dass du da deinen Weg so gefunden hast und ich erlebt dich auch hier als total gesettelte Frau und wirklich angekommen und jeden Moment genießen. Das finde ich ganz ganz großartig! Davon können sich viele Leute tatsächlich inspirieren lassen. Dass man da halt eben auch irgendwann mal hinkommt, weil ich glaube darum geht’s.

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ja, das ganze ist eben, dass ich mich von den Medien und von allem, was mir so gesagt wird, was ich alles nicht kann. Das ist ganz einfach. Wenn die Leute sagen, das geht doch nicht, das kannst du nicht. Ich meine, die Hummel fliegt! Vom Gewicht her könnte sie das physikalisch auch nicht, so viel ich weiß. Habe ich zumindest mal gelesen. Die Leute haben einen Handspiegel vor sich und die meinen sich! Und sie meinen mit Sicherheit nicht dich, weil sie dich nicht kennen.

Und wenn du dich davon löst, was dir gesagt wird und es bei den Anderen lässt und dir nur annimmst, was für dich wichtig ist, für deine Entwicklung, für deine Überlegung, vielleicht auch, dass man da etwas verändern könnte, dann mach es für dich und lass jeden da, wo er ist.

Ja. Aber ich muss dich jetzt mal fragen. Hast du schon immer so gelebt? Oder war das für dich ja sicherlich auch ein Prozess? Aus der Krankheit raus und die Anfänge stelle ich mir sehr turbulent vor, wenn man diesen Entschluss fasst, zu sagen: ok nein, ich gehe jetzt hier dagegen und was der Arzt sagt, da möchte ich jetzt auch nicht mehr mitgehen. Was hat das am Anfang mit dir gemacht? Also hast du da auch Kämpfe mit dir gehabt? 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ich habe täglich Kämpfe mit mir. Und zwar ganz einfach deshalb, weil ich jeden Tag andere Situation habe. Jeden Tag andere Begegnungen. Jeden Tag irgendwas, wo ich denke, ach ja okay, ich wollte jetzt gerade raus und es stürmt wie Holle!

Aber dann gehe ich eben doch raus. Ich lerne jeden Tag so viel! Das aller aller schwierigste war, mit mir alleine zurechtzukommen, weil ich immer auch im Kundendienst war. Das heißt, ich hatte immer Kundschaft und viel viel viel Betrieb um mich. Von der großen Familie will ich gar nicht wieder anfangen!

Das heißt, ich hatte weder Zeit noch irgendwas für mich. Und bin dann erst überhaupt zum Denken, zum Nachdenken gekommen. Auch das durfte ich lernen: mit mir selbst ins Reine zu kommen, mich gern zu haben so wie ich bin und zu sagen: egal, was jemand sagt oder tut: er meint sich! Ich bin einfach ein liebevoller Mensch und ich komme mit mir klar und wenn der andere das noch nicht hat, dann darf er vielleicht mal darüber nachdenken.

Ja, sehr schön. Du hast mir vorhin einen schönen Buchtipp dazu gegeben. Ich kenne das Buch schon seit Jahren. Das hat mich tatsächlich auch aus einer ziemlich tiefen Krise mitunter rausgeholt. Und das hast du mir direkt empfohlen.

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: War das nicht für deine Mutter?

Ach, stimmt das war für meine Mutter! Ihr habe ich das ja auch schon empfohlen. Vielleicht möchtest du das, weil ich finde es persönlich auch ganz ganz großartig. Vielleicht verraten wir das auch mal, wie das heißt.

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ja und zwar ist mir schon vor 40 50 Jahren das Buch begegnet: Sorge dich nicht, lebe. Und zu dem Zeitpunkt habe ich mir noch sehr viele Sorgen um jedes und alles gemacht, weil ich  auch immer die Verantwortung hatte. Das Buch ist also für mich eine Stütze gewesen. Es ist natürlich kein Buch, das ich mal eben durchlese wie einen Roman oder ein Reise-Abenteuer oder sonst etwas. Sondern es ist ein Buch, das ich über Jahre, immer wieder ausschlagen durfte und so habe ich auch bei mir im Reisebus ungefähr 25 Bücher, die immer für mich wichtig sind, um geistig mich nicht wieder auf diese Krabbelspur zu begeben und dabei zu bleiben.

Einfach dadurch, dass ich auch diszipliniert bin, mit dem Turnen und mit dem, was ich mache. Durch Disziplin und durch Gradlinigkeit habe ich einfach eine Freiheit, die für mich nur so entstehen kann, weil das was gemacht werden muss, mache ich und das andere überlasse ich dem Universum.

Richtig so! Kannst du aufzählen, in welchen Ländern du schon warst? Die 25 Stück?

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ach, nehmt einfach Europa, da lasst ihr einfach nur die Ukraine raus, da lasst ihr Rumänien, Bulgarien raus, Albanien lasst ihr raus, Griechenland und Italien. Bei den anderen war ich.

Wow! Die weiteste Reise bislang? 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Im Süden von Marokko. Mittlerweile hat sich das so eingependelt, dass ich am 30 31 Dezember von Algeciras nach Tanger Med fahre. Und jedes Mal muss ich mir das Ticket holen und das nächste Schiff nehmen. Weil durch meine Kriegserlebnisse ist da immer noch ein eine Sache, die ich nach wie vor etwas bearbeite und dafür bedarf es nach wie vor etwas Demut.

Und dann fahre ich nach Marokko und die Sonne, die Menschen, das Licht! Es ist einfach für mich was ganz ganz besonderes. Und die Küstenstraße runter, bis ungefähr 450 km südlich von Agadir. Da bleibe ich dann da 18 Nächte, 22 manchmal. Und das ist, wo ich am längsten bleibe. Ansonsten bleibe ich nur etwas länger, wenn ich kranke Schwestern pflege oder Aufgaben übernehme.

Aber ansonsten ist also eine Woche oder vier Tage oder so schon ganz lange, denn ich habe ja von morgens bis abends Zeit, die Zeit auszufüllen, dort wo ich bin, mit dem was mir dort als Geschenk präsentiert wird.

Sehr schön! Ich kann tatsächlich mittlerweile das Heft weglegen. Die Fragen möchte ich dir gar nicht stellen, weil ich andere Dinge viel interessanter finde. Wie sieht denn dein Alltag so aus? Also Alltag in Anführungsstrichen! Ich weiß, bei dir gibt es keinen klassischen Alltag, aber du hattest mir auch vorhin davon erzählt, dass du gerne Dinge tust. Dass du z.B. bei der Olivenernte mitgeholfen hast und so weiter. Wie toll ist das denn?

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ja also, 2010, als ich ja null Ahnung hatte, was ich in irgendwelchen Ländern irgendwie mache und alles. Meine Sprache ist Deutsch und die Sprache des Herzens.

Die spricht man überall! 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil:  Und die Gestik und die Mimik wird überall verstanden, wenn es sich um eine Sache handelt oder um eine Angelegenheit, da die Menschen ja auch mitdenken.

Und dann habe ich es so angefangen, dass ich Workaway gemacht habe. Das ist dieses reisen und arbeiten und habe mir dann in Europa erst einmal Länder ausgesucht, auf der Internetseite, wo stand, dass die Leute ein bisschen Deutsch sprechen. Und durch diese Bekanntschaften habe ich heute noch Freundschaften, die von Polen bis Portugal gehen und die ich auch nach wie vor pflege und besuche. Und wenn die Leute, wie gesagt Olivenernte haben oder ich soll den Kindern ein bisschen Deutsch lehren, den kleinen Polenkindern, es sind mittlerweile 3!

Oder ich soll irgendwie etwas Einfaches machen, wie mich um die Küken kümmern oder so etwas, oder um die Babys. Also mit Babys meine ich, wenn die Leute dort Babys haben und die Mutter kann nachts nicht schlafen, weil das Baby schreit, dann kriege ich schon mal für den Tag gebracht, damit sie ausschlafen können. Und ja, so mache ich das unterwegs oder wenn mir jemand sagt, wo was gebraucht wird und helfe dann dort.

Fantastisch! Ich finde das auch tatsächlich auf Reisen sehr wichtig, dass man auch da, wie könnte ich das formulieren, ohne dass es zu gezwungen klingt? Also dass man so eine kleine Aufgabe hat, weil ich finde, Vanlife stellt sich ja jeder so vor: du fährst los, sitzt den ganzen Tag in der Sonne, weißt du überhaupt nicht, wohin mit deiner Zeit und gehst abends schlafen. Das kann man schon mal eine zeitlang so machen. Das ist auch ganz nett, aber irgendwann kommt ja trotzdem in einem wieder  dieses: ich möchte mal wieder irgendwas machen, was irgendeinen Beitrag leistet. 

Und das tust du halt damit, indem du dir dann solche Projekte aussuchst und du hast mir auch erzählt, dass du einmal pro Jahr Sachen nach Marokko fährst und das finde ich ja total großartig! So hat das Leben einfach auch so einen übergeordneten Sinn. Dass man halt eben nicht den ganzen Tag, wie man es oft sieht, auf den Plätzen mit dem Bier in der Hand im Liegestuhl vor seinem Auto sitzt. Und das machen sehr sehr viele Menschen. Das finde ich ziemlich gut.

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ja, in Marokko bin ich in einer Kooperative involviert. Die Kinder haben Schulpflicht, aber keine Materialien. Und dann bringe ich ihnen Stricknadeln, Häkelnadeln und Wolle und alles mit. Und bei den Frauen kann ich beim Teppich weben oder beim Couscous herstellen mithelfen und die freuen sich einfach. Sie nehmen mich in den Arm und geben mir immer diesen ganz fürchterlichen, mit weißem Zucker gesüßten Tee! Aber der ist so liebevoll zubereitet. Das ist dann einfach nur schön!

Ich bin kein Typ, der lange sitzt. Ich esse bei mir im Wohnmobil, weil ich sehr langsam esse und ich möchte da keine Mitesser haben und mein Essen soll auch noch heiß bleiben. Als ich auf meiner ersten Reise in Portugal Menschen begegnet bin, Deutschen, die aber in Ungarn wohnen. Ihnen bin ich dann in Marokko wieder begegnet, in Imsouane, einer wunderschönen Halbinsel. Und dann schrie auf einmal der Mann: Margot! Ich habe dir doch gesagt, Gisela hat keine Möbel! Ja, sagt sie, du hast ja mit mir gewettet und ich habe dir gesagt, Gisla hat Möbel. Sie stellt gerade tatsächlich einen Stuhl und den Tisch raus! Ja, manchmal mache ich das, wenn ich etwas schreiben will oder etwas länger sitze.

Aber ansonsten gehe ich nach dem Frühstück raus. Egal, welches Wind und Wetter. Deshalb lebe ich ja draußen und rumhocken ist nicht mein Ding. Es sei denn ich nehme mein Buch und jetzt mich irgendwo in die Natur. Das passiert natürlich auch. Aber lieber sitze ich dort, umarme den Baum und beobachte den Ameisenhaufen.

Wow. Toll. Ja genau das. Das reicht schon! Gibt es für dich ein Lieblingsreiseland oder ist dir das egal?

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Also ich bin auf alle Länder neugierig, die ich auch noch besuchen werde, aber mein Lieblingsland ist nach wie vor Portugal, wo ich ja am 10.10 2010 zum ersten Mal über die Grenze Spanien-Portugal gefahren bin. Weil es dort ganz entspannt ist.

Auch in den mittlerweile etwas größer gewordenen Orten gibt es überall Sanitäranlage-Häuschen mit Wasser, natürlich Kaltwasser, aber mit Wasser und Toiletten. Diese Anlagen werden von den Gemeindefrauen gepflegt. Denn früher gab es überhaupt keine Wasserleitungen zu den Häusern und auch oft heute in alten römischen Orten, wo ich bin, gibt es nur diese Außenanlage am Rande eines Ortes.

Da sind überall auch Plätze, wo ich stehen darf und ich darf dort immer alles mitbenutzen und dadurch komme ich auch mit den Leuten ins, ja sozusagen Gespräch, weil sie erzählen mir alles mögliche, bevor sie feststellen, dass ich es nicht verstehe. Sie sind aber alle neugierig und wollen bei mir dann reinschauen.

Dann lade ich sie auf einen Tee oder Kaffee ein. Meistens habe ich was zu Knabbern. Und wenn ich jetzt noch mal dahin komme, speziell auch in Portugal, weil ich da da die Ziele habe, mit der Olivenernte und auch bei meinen polnischen Bekannten, die inzwischen etwas gemietet haben zu helfen. Dann wird schon immer gewunken in den Orten, weil sie schon das blaue Auto kennen.

Das ist natürlich der große Vorteil, wenn man das Auto nicht wechselt! Da hat man einen sehr hohen Wiedererkennungswert! Hast du noch eine Wohnung in Deutschland?

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Nein. Ich habe eine Postanschrift in Wuppertal. Birgit erledigt alles ganz ganz wunderbar für mich. Birgit war früher eine Arbeitskollegin, das heißt, sie war Auszubildende. Sie ist so alt wie meine Tochter, aber sie ist versiert in vielen vielen Gebieten. Ich war, als ich schon nicht mehr berufstätig sein konnte, noch im Gesundheitswesen selbstständig und dadurch hatte ich natürlich auch mit dem Finanzamt zu tun und als ich dann alles gekündigt hatte: die Versicherung, Hausratversicherung und vom Finanzamt haben dann alle gesagt, das geht ja gar nicht! Sie werden ja wohl noch irgendwo einen Schrank haben oder sie werden ja noch irgendwo einen Fernseher haben. Und das war also recht kompliziert.

Da war ich natürlich froh, entspannt auf Reisen gehen zu können. Weil Birgit, mein Engel in Deutschland, hat dann eben alles erledigt. Und wenn dann wieder Post von irgendeinem Futzi kam, hat sie angerufen: Da und da ist Post gekommen. Und dann sag ich: Was muss ich jetzt erledigen? Gar nichts mehr! Ich hab schon alles beantwortet! Sie hat auch eine Generalvollmacht.

Fantastisch. 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Das ist sehr entspannend wenn du reist. Du musst verlässlich jemanden zu Hause haben, der sich um deine Post kümmert.

Absolut. Vor allem, wenn man in Deutschland noch gemeldet ist. 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ich muss in Deutschland gemeldet sein, sonst kriege ich keine Rente.

Stimmt. Es würde für dich ja auch gar keinen Sinn machen, dich abzumelden. So jemanden braucht man, auf jeden Fall! 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Auf jeden Fall. Eine ganz zuverlässige Seele braucht man in Deutschland, der das macht, ohne einen unterwegs fusselig zu machen mit Gott weiß was für Fragen. Oder was dies oder das oder jenes also da jemand selbständig denkenden zu haben ist schon absolut toll!

Du genießt auch Zeit komplett mit dir allein. Das kannst du sehr sehr gut, obwohl ich dich jetzt als sehr offenen Menschen kennengelernt habe. Ich habe natürlich auch schon viel über dich gesehen und hatte mir das ja auch vor ein paar Tagen tatsächlich gewünscht, dich mal zu treffen, weil ich eben auch gehört habe, dass du hier Ecke Tarifa unterwegs bist. 

Ich finde es total toll, wie offen und herzlich du auf Menschen zugehst und eben das gibt dir wahrscheinlich auch diese Sicherheit auf Reisen und es gibt halt genau auch das wieder zurück. Deswegen kann man eigentlich jedem nur raten und da sind jetzt Männer nicht ausgenommen. Wenn ihr auf Reisen geht, macht das genauso. Natürlich immer alles im Wohlfühlbereich, finde ich total wichtig. Aber wenn man mit offenem Herzen rausgeht, kommt einem genau das entgegen. Und das hast du jetzt auch gerade die ganze Zeit erzählt.

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Ja, entscheidend ist für mich immer wieder da wo ich ankomme mich erst einmal vorzustellen. Meistens sind die Überraschtesten deutsche Nachbarn auf dem Campingplatz. Wie auch in Torrox, wo ich die letzten zwei Nächte war. Die waren total überrascht, dass ich hingegangen bin, mich vorgestellt habe, die Hand gegeben habe. Das hat aber bisher noch keiner gemacht! Für mich ist das selbstverständlich. Wenn ich irgendwo hinziehen würde, würde ich mich auch vorstellen. Da ich ja so ein Kurzzeit-Hinzieher bin, mache ich das dann eben auch zu dem Zeitpunkt. Das ist ganz einfach so: für meine Begriffe kommt dir jedes Lebewesen und alles in Frieden entgegen, wenn du dort mit friedlichen Absichten hingehst und Kontakt suchst.

Du brichst damit einfach eine totale Barriere auf. Also ich erlebe es auch ganz oft, dass man auf Plätze kommt und alle gucken schon so von Weitem. Keiner traut sich so richtig. Ich nehme mich da nicht raus! Ich bin dann jetzt auch nicht jemand, der immer gleich überall hingeht. Ich kann mir vorstellen, dass das wirklich eine durchaus gute Strategie ist und das einfach schon von vornherein ganz viel öffnet.  

Da musst du auch deinem Gespür nachgehen. Es gibt einfach Situationen oder wenn es z.B. Paare sind, wenn die sich gerade unterhalten, da bin ich die letzte, die sich hinstürzt. Aber es gibt mit Sicherheit Situationen, wo es nicht störend ist.

Zum Beispiel als ich bei dir heute in ein Gespräch reingekommen bin, als du gerade Gäste da hattest. Aber dann kann ich mich sehr wohl zurücknehmen und das ist das Entscheidende, dass ich nicht gerade komme und Hallo hier bin ich! Sondern ich schaue erstmal wie die Lage ist, ich höre erst mal zu und sehe, was sich dann entwickelt und ob es erwünscht ist. Und das ist die Kunst.

Ja, das stimmt. Und da gehen ganz viele drüber. Das erlebt man leider auch immer wieder! Ja genau, du hast heute wirklich gewartet. Das passiert super selten. Entweder sie sagen gar nichts oder sie rasseln rein. Also die zwei Varianten gibt es meistens. Es gibt selten wirklich jemanden, der dann so vorsichtig kommt und sich auch persönlich erstmal zurücknehmen kann. Also wir haben ja hier auch einen sehr speziellen Nachbarn, ein Schwarzer, der ist auf jeden Fall in meiner Welt gefühlt sehr übergriffig. Platzt rein, fährt immer wieder Runden hier…

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil:  Der arme Kerl ist seelisch einsam.

Wahrscheinlich! Genau. Er sucht händeringend Anschluss. Solche Menschen, da bin ich sofort raus, weil dann weiß man irgendwie schon auch, was da so ein bisschen auf einen zukommt. 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Möglicherweise. Denk dir nicht deine Geschichte!

Ja, das stimmt. Stimmt. Du hast es gesagt. Aber ich bin da trotzdem recht vorsichtig. 

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Dürfen wir auch. Wir dürfen vorsichtig sein oder zurückhaltend sein. Wir dürfen zuhören und erst einmal Gestik und Mimik beobachten. Und schauen, wie wir uns selber mit dem rundherum fühlen. Das ist das Entscheidende. Um wieder darauf zurückzukommen: Sicherheit und angenehme Begegnung zu haben.

Ja, du hast vorhin auch noch etwas sehr Spannendes zum Thema Angst gesagt. Ganz viele sagen, man braucht keine Angst haben und so. Da gehst du einfach rüber! Das ist eben nicht so. Du hast vorhin wirklich was sehr sehr Wichtiges gesagt. Dass gerade Angst früher auch ein Mechanismus war und bis heute eigentlich, der einem schon auch das Leben rettet.

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Berechtigte Angst.

Ja. Dann müssen wir auf jeden Fall noch differenzieren! Und dass das eigentlich total wichtig ist. Dass wir das nicht einfach wegdrücken und gerade jeder, der losfährt und sich diesem Gefühl stellt, muss da auch anfangen zu unterscheiden, ob es nicht einfach nur der Kopf ist, der gerade durchdreht und sagt oh mein Gott, wir gehen alle Mechanismen an, die ich mir irgendwie ein Leben lang hart erarbeitet habe oder ob es wirklich so ist.

Ich habe auch gemerkt, das ist nicht nur das Gefühl, sondern es ist das Bauchgefühl, was für mich so ein bisschen wie Herbststürme ist. Das heißt, dass wenn ich irgendwo hinkomme und wirklich mein Bauch grummelt, nehme ich den wahr. Und gehe darauf ein. Und entscheide dann für mich: ok, das passt nicht. Und da muss man wirklich differenzieren.

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Es ist nicht nur die Differenzierung. Es ist auch, die ganze Affenbande im Kopf mal ein bisschen zur Ruhe zu bringen. Denn das Bauchgefühl ist die leiseste Stimme. Wenn du mit dem Kopf da so eine Affenbande hast dann hörst du das möglicherweise nicht und das ist eine Trainingssache. Das darf einfach eine Zeit beanspruchen, denn viele guten Sachen brauchen Zeit und zu reifen speziell wir selber.

Absolut! Hättest du eine gute Strategie für jemanden, der gerade damit anfängt, immer wieder an dem Punkt kommt und eigentlich ausreißen will? Ich weiß, das auch auszuhalten, aber hast du vielleicht einen Tipp, wie man gerade am Anfang damit umgehen kann?

Gisela Homberg, leben im Wohnmobil: Das einzige was mir dazu einfällt, was mir sehr viel, aber auch schon vor Jahrzehnten, nicht nur in diesem Leben, das ist ja für mich, sondern auch schon vorher. Ich mache es schriftlich. Ich schreibe auf die eine Seite des Papiers, ich habe auch manchmal schon nachts einen Block gehabt und Papier. Und alles, was ich beim Wachwerden oder so hatte, aufgeschrieben. Wertungsfrei. Aber dann durchgelesen, was davon betrifft mich gerade in meiner jetzigen Situation.

Und wenn ich das dann aufschreibe und sortiere, ist es einfacher für Menschen, die das auch gerne vom Kopf her haben und mir bis sie das dann ins Unterbewusstsein bringen, ist ja für viele noch ein sehr steiniger Weg. Und das ist einfacher, herauszukristallisieren, was ist da tatsächlich oder was ist möglicherweise gar nicht so, dass ich mir das eben halt so nur zurecht lege, um eine Ausrede oder eine Möglichkeit zu haben das jetzt nicht zu tun. Die Frage ist schlicht und einfach: Will ich wirklich etwas verändern? Dann geht es nur, wenn ich mich verändere.

Ja. Und wenn man das ganz klar entscheidet. Da gibt’s eben nicht: ich kann es ja mal probieren. Und dann gibt’s, wenn man das möchte, findet sich dafür immer ein Weg. 

Auch wenn der Weg vielleicht im Moment noch nicht ganz klar ist. Aber ich weiß ja, wenn ich die Brücke hinter mir lasse, ist das zurücklaufen eher vorgesehen, als den Weg zu finden, der mir Neues bringt und eine andere Lebensmöglichkeiten und Qualität bietet.

Ja. Du hast vorhin was Schönes gesagt: Dass du total neugierig bist aufs Leben. Und das ist glaube ich auch das, was einen so antreibt. Ich glaube, Stagnation in seinem Leben, was ja für mich schon da beginnt: Jemand steht früh auf, trinkt einen Kaffee, geht acht Stunden auf Arbeit, kommt nach Hause, guck vielleicht noch ein bisschen Fernsehen und geht schlafen. Das ist für mich schon eine Art Stagnation, tatsächlich im Leben. 

Also mein mein Credo ist ja auch so ein bisschen, ich glaube, die Welt ist so wahnsinnig riesig und wunderbar. Und ich werde es in diesem Leben gar nicht schaffen, das alles zu sehen. Das treibt mich ja auch immer wieder so an, die neuen Dinge zu erleben. Und ich glaube, das ist auch was für Menschen, die vielleicht viel Angst haben, sich so ein übergeordnetes Ziel zu setzen. Einfach mal zu sagen: Okay, ich habe wirklich Lust, die Welt mal zu erleben. Und gar nicht mit aber, sondern einfach nur: Ich habe Lust, diese Welt zu erleben. Ich glaube, dann machen sich ganz viele Türen auf. Dann ist zwar dieser Weg oft am Anfang steinig, wie du sagst.

Möglicherweise.

Das stimmt. Das ist auch nur eine Annahme. Das kann auch mitunter und das passiert mir immer öfter, dass es total leicht ist. Total leicht! 

Ja, und das Entscheidende für mich ist nach wie vor, wer keine Möglichkeit hat zu reisen und gerade noch in seinem ganzen Alltagsverpflichtungen und alles ist, was ich jetzt eben halt gerade angesagt ist, dann hat das andere eben noch nicht seine Zeit. Das Entscheidende für mich ist, nach wie vor, das war’s schon früher: Ich kann jederzeit und wenn es auf dem Klo ist, das Buch mitnehmen, über die Länder lesen oder mein Interesse verfolgen oder die Musik hören und mit diese kleinen Lücken und Freuden im Alltag schaffen und wenn es nur manchmal darum geht, an der Kasse jemanden vor zu lassen oder jemand zu grüßen, der gerade ziemlich grummelig ist, anzustrahlen und sich diese Sonnenstrahlen in den Alltag zu holen. Dazu muss man nicht unbedingt weit reisen.

Ja absolut. In den kleinen Dingen fängt es an. Und wenn man so die Welt hinausgeht und ganz viel Freude verteilt, kommt auch ganz viel Freude zu einem zurück. Das ist einfach das Prinzip der Resonanz. Das ist einfach Fakt, dass das genauso funktioniert. Wann geht’s für dich wieder zurück nach Deutschland dieses Jahr?

Irgendwann im April oder Mai.

Wenn’s passt! Wenn der Moment da ist, wo du sagst: Okay, jetzt kann ich losfahren.

Ja, ich kann mir ja ungefähr ausrechnen, wie viele Wochen ich brauche, um die Familie zu besuchen. Und Ende Juni bin ich bei der Silberhochzeitsfeier meiner Tochter und danach mache ich dann meine Sommerreise. Und insofern kann ich dann auch bummeln und ich möchte mir dieses Mal auf dem Rückweg, ich bin bisher in Frankreich immer nur so gefahren, obwohl ich jetzt, wo ich älter bin, doch schon mal kürzere Distanzen fahre.

Wobei die gar nicht so kurz sind. Wenn du sagst, trotzdem dass du ein paar Stunden fährst! Das ist schon… Wow! 

Etliches! Ich nehme Autobahnen grundsätzlich raus, weil dann spielt es keine Rolle, in welchem Land ich mich befinde. Das ist überall das gleiche und dazu noch anstrengend. Über die Dörfer ist es natürlich… Ich bin schon mal in einem spanischen Dorf gefahren, dann musste ich die Seitenspiegel einklappen. Es kann sowas passieren, weil die Hauptstraße gerade gesperrt war wegen einer Prozession. Also es kann alles Mögliche passieren, aber diese Überraschung sind eben das, was für mich den Tag ausmacht.

Und dieses Mal möchte ich mir auf dem Rückweg etwas länger die Provence angucken, sodass ich da also nachdem ich jetzt noch mal dahin fahre, wo ich bei der Olivenernte im mittleren Portugal bin. Da sind jetzt ein paar kleine Lämmer und ein paar werden von den Müttern nicht angenommen. Da fahr ich nochmal hin und werd ein bisschen Nuckel-Fläschchen geben.

Und dann fahr ich etwas länger in die Provence. Ich schaue mal nach, wie ich mich dann fühle, ich war noch nicht in Italien. Ja, ich weiß, kaum verständlich für jemanden, der schon von jung an reisen konnte. Aber es gibt ein paar Länder, nämlich Griechenland, Albanien, die Ukraine und Italien, die habe ich noch nicht besucht. Ich hab ja noch ein bisschen Zeit.

Vielleicht mag ich dann von der Provence aus noch in nach Piemont. Das ist ja dann so dieses westlichste von Norditalien und dann in die Schweiz, ein paar Bekannte besuchen.

Wow, das klingt fantastisch! Das klingt nach einem sehr erfüllten Leben. Ich freue mich wirklich sehr darüber, dass du dich bereit erklärt hast, diesen Podcast mit mir zu machen. Ich freue mich sehr über deine ganzen Antworten. Ich glaube, das wird sehr viele erreichen. Gibt es noch irgendwas, was du sagen möchtest?

Ja, seid alle behütet und beschützt. Das Universum ist für alle da und die Schöpfung hat euch inbegriffen mit allen euren Talenten und die dürft ihr leben!

Fantastisch. Genauso lassen wir dieses Schlusswort stehen. Ich danke dir wirklich zutiefst. 

Ich danke dir!

Das war eine Folge aus dem Van mit Karin, Gründerin der Community Vanlove Girls. Danke fürs Zuhören. Abonniere den Podcast. Lass gerne einen Kommentar da. Und besuch die Vanlove Girls auf Facebook und dem Blog.

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