
Im Jahr 2018 begann meine Reise, als ich ganz in meinen Van zog. Aus diesem persönlichen Aufbruch entstand eine Bewegung:
Eine Gemeinschaft von über 8000 Frauen, die sich gegenseitig im Vanlife unterstützen. Geboren waren die VanLove Girls.
Hinter diesem Projekt stand von Anfang an ein tiefer Gedanke. In unserer Gesellschaft lässt die klassische Frauenrolle oft wenig Raum für das Ausbrechen aus gewohnten Strukturen. Ganz oft trauen sich Frauen nicht, den Schritt in ein freies, selbstbestimmtes Leben zu wagen, weil Ängste eine große Rolle spielen und die eigene Selbstwirksamkeit nie gelernt werden durfte.
Die Vanlove Girls wurden zu einem Ort, an dem genau das verändert wurde. Es ging darum, sich gegenseitig Mut zu machen, denn Mut zu teilen ist bei so einem Aufbruch der Schlüssel, um die eigenen Kräfte zu entdecken und den eigenen Weg zu gehen.

Die unsichtbare Realität hinter den schönen Bildern
Auf unseren Treffen und in der Gemeinschaft der Vanlove Girls ging es schnell um weit mehr als nur um Autotechnik, Routen oder die schönste Aussicht. In den sicheren Räumen, die wir dort miteinander geschaffen haben, passierte etwas zutiefst Berührendes: So viele Frauen vertrauten mir ihre Lebensgeschichten an.
Was ich dort zu hören bekam, war oft erschütternd. Hinter dem Wunsch nach Freiheit und dem Ausbrechen aus dem Alltag verbargen sich oft schwere Erfahrungen, tiefe seelische Verletzungen und Erlebnisse, die diese Frauen mit sich trugen. In den Gesprächen standen oft dieselben quälenden Fragen im Raum, die sich die Frauen im Stillen stellten: Warum fühle ich mich im Van immer noch so schwer, obwohl ich doch jetzt frei bin? Warum holt mich meine Vergangenheit gerade jetzt ein, wo ich endlich alles hinter dir gelassen habe? Ich habe mir meinen Traum vom Vanlife erfüllt, aber warum kann ich mich trotzdem nicht richtig glücklich oder sicher fühlen? Kann ich vor meinen alten Erfahrungen und Verletzungen überhaupt weglaufen?
Schon damals spürte ich den dringenden Wunsch, diese Frauen auf einer tieferen Ebene zu unterstützen und ihnen beizustehen. Doch zu diesem Zeitpunkt fehlte mir noch das nötige Fundament, um sie so zu begleiten, wie sie es gebraucht hätten. Diese intensiven Begegnungen haben mich tief geprägt und den Grundstein für meinen heutigen Weg gelegt.

Das seelische Gepäck reist mit
Der Aufbruch in ein Leben auf Rädern fühlt sich oft wie der ultimative Befreiungsschlag an. Du lässt den alten Ort, den alten Alltag und vielleicht auch Menschen hinter dir, die dir nicht gutgetan haben. Es ist die Hoffnung auf einen echten Neuanfang, bei dem alles leichter werden soll.
Doch die Realität auf der Straße zeigt schnell etwas anderes: Alles an seelischem Gepäck reist mit. Die alten Verletzungen, die gelernten Schutzreaktionen deines Nervensystems, die Ängste und die Einsamkeit steigen mit in den Van. Sie lassen sich nicht einfach am alten Wohnort zurücklassen, egal wie viele Kilometer du fährst. Oft brechen diese Themen in der Stille der Natur oder auf einsamen Stellplätzen erst richtig auf, weil der gewohnte Trubel des Alltags wegfällt. Das, was eigentlich Freiheit sein sollte, fühlt sich dann plötzlich eng und schwer an.
Deine Reise vom Außen nach Innen
Der ungeladene Beifahrer
Nach den ersten Kilometern schlägt die Realität auf den Stellplätzen ein. In der Stille der Natur oder in einsamen Nächten bemerkst du plötzlich, dass die alte Erschöpfung, die Einsamkeit oder unbestimmte Ängste mitreisen. Auf engem Raum im Van zeigen sich diese alten Schutzreaktionen deines Nervensystems, die dich früher bewahren wollten, dich aber heute blockieren. Hier beginnt das eintreffende Erkennen, dass das seelische Gepäck nicht einfach am Straßenrand zurückbleibt.

Von der Bewegung zur Begleitung: Meine Arbeit heute
Aus den tiefen Begegnungen mit den Vanlove Girls und den erschütternden Geschichten von damals ist mein heutiger Weg entstanden. Was mir damals an Werkzeugen fehlte, ist heute mein Fundament. Als Coach für NI Neurosystemische Integration® ganzheitlich-integrative Traumaarbeit begleite ich Frauen dabei, genau dieses mitreisende Gepäck achtsam zu entlasten.
Heute weiß ich, dass wahre Freiheit nicht durch Kilometer auf dem Tacho entsteht, sondern durch Sicherheit im eigenen Nervensystem. Jedes Verhalten, jede Angst und jede Schutzreaktion, die dich auf deiner Reise einholt, hat eine wertvolle Funktion. In meiner Arbeit schaffen wir einen sicheren Raum, in dem diese Anteile gehört werden dürfen, damit dein Inneres genauso frei werden kann wie die Straße vor dir.

